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In der kooperativen Phase zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer hieß das Unternehmen Bewag. Weitestgehend wurde der Konsens gesucht und Streit zwischen den Blöcken reduzierten sich auf intensive Gespräche oder Demonstrationen.

Dies hatte zur Folge, dass sich im Unternehmen keine Streikkultur entwickeln musste.

Diese fehlende Streikkultur rächt sich heute. Zur Durchsetzung unserer Forderungen hat es in der Vergangenheit trotz Personalabbau und Verkäufen keinen einzigen Streik gegeben. Dank der verkrusteten Handlungsmuster in der roten Gewerkschaft wurde die notwendige Dynamik verschlafen.

Streiks in Frankreich - ein Bericht aus der Zeit

Die Entscheidungen der letzten Jahre, das Personal mit großen Erfahrungen und Wissen in Altersteilzeit zu bringen wurden lediglich zur Kostenreduktion betrieben. Der Aderlass an Wissen und Erfahrungen wurde weitestgehend in Kauf genommen und ein konzeptioneller Wissenstransfer wurde vermieden. Die Auswirkungen sind teilwiese schon kurzfristig erkennbar geworden, aber die mittel- und langfristigen Auswirkungen werden sich wahrscheinlich erst noch ergeben. Die damit verbundene Abhängigkeit von Fremddienstleistern, die Kostenentwicklung und die Unfähigkeit das eigene Geschäft zu kontrollieren, werden sich wahrscheinlich erst viel später abbilden.

Vattenfall hat vor ca. 3 Jahren die Einstellung sämtlicher IT Studiengänge und Berufe beschlossen. Unter dem Thema Industrie 4.0 und der damit verbundenen Digitalisierungsthemen ist dies heute ein großes Thema. Die Entscheidung vor drei Jahren keinen eigenen Nachwuchs mehr zu fördern ist damit nicht nachvollziehbar und muss als Fehler bewertet werden.

https://www.lancom-systems.de/blog/it-nachwuchs-ohne-engagement-wird-das-nichts/

https://www.haufe.de/marketing-vertrieb/online-marketing/digitalisierung-ohne-cdo-geht-es-auch-in-deutschland-nicht_132_389596.html

Betrachten wir die Abschlüsse der letzten Jahren hinsichtlich ihrer linearen Erhöhung und Dauer, darf man an einer gewerkschaftlichen Notwendigkeit manchmal Zweifel anmelden.

Einigungen, die sich an dem wirtschaftlichen Erfolg und an der Inflationsrate orientiert haben, waren eher eine Seltenheit. Die Arbeitgeberseite hat es regelmäßig verstanden, die Arbeitnehmerseite in die Defensive zu drängen und die rote Gewerkschaft hat sich tief beeindrucken lassen.

Aber auch einen Ausgleich zum Verzicht von Ausgliederungen und Fremdvergaben, gekoppelt mit Kündigungsschutzzeiten oder zur demografischen Entwicklung, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder eine Arbeitszeitverkürzung wurden nicht verhandelt oder als Verhandlungspunkte aufgenommen.

Eine Gewerkschaft ohne Ideen und Biss ist aus unserer Sicht schwach.

Der Konzerntarifvertrag wurde seiner Zeit als großer Wurf angepriesen und es sollte mal Zeit sein, ein Fazit zu ziehen.

Mit dem Konzerntarifvertrag wurde ein einheitliches Tarifwerk für viele von Vattenfall zusammengekauften deutschen Gesellschaften in Zusammenarbeit mit drei Gewerkschaften erstellt.

Dieses Werk wurde damals als innovativ angesehen.

Aber ist ist es das wirklich?

Nein - mit dem Tarifwerk wurde eine Absenkung für die nachfolgenden Generationen hinsichtlich Gehalt, Absicherung und Altersvorsorge akzeptiert. Damit haben wir unserer Nachfolgegeneration ein Erbe übergeben, welches sie gegenüber der Vorgängergeneration schlechter stellt.

Das damit verbundene Ziel, hierdurch mehr junges Personal in den Konzern zu bekommen ist völlig daneben gegangen. Auch Fremdvergaben wurde damit nicht vermieden. Ein völliger Fehlschuss!

Aber was wurde damit erreicht?

Durch die Einführung des KTVs wurde eine Zwei-Klassen-Gesellschaft eingeführt, die zu Ungerechtigkeiten untereinander geführt haben.

Das Erbe hat sich damit nicht positiv entwickelt.

Die Demo von ver.di haben wir im Grundsatz unterstützt.

Trotzdem hielten wir die Aktivitäten als viel zu spät und aus unserer Sicht ist der Zug für viele Kolleginnen und Kollegen längst abgefahren.

Für die Kollegen im Kundenservice, VSG-ISS, VE IS und VE BS hat diese Aktion nichts gebracht. Dies hätte  bereits vor Jahren passieren müssen, um die Weichenstellungen eventuell ändern zu können. Im Rahmen unserer Tätigkeit als ehemalige Vertrauensleute in der roten Gewerkschaft hatte sich unsere Gruppe damals dafür ausgesprochen die anstehende Tarifverhandlungen zu nutzen. Leider war das aber von den Führungskadern nicht erwünscht gewesen und bedauerlicherweise haben sich unsere Befürchtungen bewahrheitet.

Leider wollte man weiter schlafen und Konflikte verleiden, was aus unserer Sicht äußerst bedauerlich war und viele Arbeitsplätze gekostet hat.

Soviel zu den Parolen - "Wir stehen zusammen und kämpfen für unsere Zukunft zusammen."

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